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Facebooks Börsengang: Aktie startet mit Verspätung bei 42 Dollar
Der Startschuss ist gefallen, der einst ausgebootete Mitgründer Eduardo Savarin hat einem gewissen Mark Zukerberg (sic!) zum erfolgreichen Börsengang gratuliert. Und seit gerade eben steht auch der Einstiegskurs der Facebook-Aktie fest. Die Aktie startete bei 42 US-Dollar, was 4 Dollar mehr wären als der Ausgabepreis. Sofort ging es hoch auf 43 Dollar. Ihr könnt den Kurs hier live verfolgen. Wir melden uns später noch einmal mit einem Update!
(Jürgen Vielmeier)
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- Facebook: Wie die ganze Branche einem Börsengang entgegen zittert
- Facebook: Willkommen im Börsen-Wunderland
- EveryMe: “Freundschaft ist tot”
Bierflasche mit der Kettensäge öffnen
Ich habe selten einen derart ruhigen Freitag erlebt. In wenigen Minuten fällt an der New Yorker Börse (NASDAQ) der Startschuss für den Börsengang von Facebook. Und die ganze Technikwelt steht davor wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir zugegebenermaßen auch. Nur Hayo sitzt drüben vor dem Rechner und wartet, ebenfalls, bei Sky Sport auf die Entscheidung über eine mögliche Wiederholung im “Skandalspiel” Düsseldorf-Berlin. Alles wartet, dabei ist doch gleich Wochenende. Wie könnte man die Wartezeit am besten überbrücken? Mit einem kühlen Bier! Die Flasche steht schon vor mir. Wo hab ich nur meine Kettensäge gelassen, um sie aufzumachen?
“Ihr könnt eine Bierflasche mit der Gabel aufmachen? Das ist hübsch”, lautet die Beschreibung des Videos, das ich gerade drüben bei Rivva gefunden habe. Ein älterer Kerl in einer ländlichen Gegend hat da ein deutlich wirkungsvolleres Instrument. Es ist nur eine Frage des Fingerspitzengefühls. Müssen wir noch erwähnen, dass dies von allen Dingen, die ihr bitte nicht zu Hause nachmacht, das allererste in der Liste ist? Überlasst es den Profis und genießt das Wochenende! Wer es schafft, dem Namen “Facebook” in den nächsten Tagen zu umgehen, dem öffne ich als Zeichen meines großen Respekts eine Bierflasche. Mit dem Löffel.
(Jürgen Vielmeier)
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EveryMe: “Freundschaft ist tot”
Haha, das passt. Die ganze Techwelt fiebert dem Börsenstart von Facebook entgegen. Es ist so einer dieser Tage, an denen man sich am besten von Radio, Fernsehen und vor allem den Online-Medien fern hält, die sich bald mit Sensationsmeldungen überschlagen werden. (Mein Wort drauf!) Und passend dazu erklärt ein Startup namens EveryMe Freundschaften für tot.
EveryMe will eine Neudefinition von Freundschaften. Freunde seien eben nicht die 610 Kontakte auf Facebook, sondern nur ganz wenige Leute in unterschiedlichen Freundeskreisen. Und wenn man etwas mit denen teilen wolle, gäbe es dafür auf Facebook keine gute Möglichkeit. Deswegen sammelt die App Kontakte von mehreren Netzwerken und formiert daraus automatisch Freundeskreise. Eine Art Circles wie auf Google Plus über die Grenzen verschiedener Netzwerke hinweg.
Um bessere Ergebnisse zu erzielen, empfahl die App mir bei der Konfiguration, ich solle mein iPhone-Adressbuch hochladen. Selbstverständlich würden die Daten aber nicht auf den Servern von EveryMe gespeichert. Klar. Im Test verband ich die App zunächst nur mit Facebook. Sie legte aus meinen 353 Freunden (Kontakten?) dort einen ganzen Freundeskreis mit genau 1 Kontakt an. Das ist sehr exklusiv. 400.000 Nutzer soll das “private Social Network” im ersten Monat gewonnen haben. Mit dem Exklusiv-Netzwerk Path habe man übrigens nicht das geringste gemeinsam, versichert EveryMe-CEO Oliver Cameron. Path habe ja nur Facebooks Idee von Freundeskreisen übernommen und eine Art VIP-Lounge daraus gemacht.
Exklusives Meta-Social-Network
Auch Google Plus sei dort nicht sonderlich fortschrittlich, weil niemand wirklich wisse, in welchen Circles er sei. Bei EveryMe erhalte man eine bessere Kontrolle darüber. Für ganz überflüssig halte ich die ganze Sache nicht, hübsch designt ist sie auch. Es ist eine Art Meta-Tool für verschiedene Netzwerke. Dinge werden nicht veröffentlicht, sondern bleiben nur für Freunde sichtbar. Allerdings gibt es ja auch bei Facebook und Google Plus gute Möglichkeiten, bestimmte Dinge nur mit ausgewählten Freunden zu teilen. Facebook legt automatisch bessere Freundeslisten an, als EveryMe es tut. Bei Google Plus kann man von Hand bestimmen, wer in welche Circles rutschen soll.
Was unterm Strich von EveryMe also bleibt, ist eine niedliche, neugierige App, die Kontakte aus mehreren Social Networks miteinander verbindet. Angesichts heute kursierender Zahlen sehe ich da schon Finanzierungsrunden in Höhe etlicher Millionen Dollar, Bewertungen von mehreren hundert Millionen und einen sehr hoch bewerteten Börsengang auf uns zu rollen. Es geht ums Potenzial, richtig? Geschäftsmodell? Nicht in Sicht.
(Jürgen Vielmeier)
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Facebook: Willkommen im Börsen-Wunderland
Facebook hat gestern Nacht im Rahmen des lange erwarteten Börsengangs den Höchstpreis von 38 US-Dollar je Aktie festgesetzt und damit für sich und seine Investoren 16 Milliarden Dollar eingenommen. Jetzt geht es zum Start des Aktienhandels darum, wie sich der Kurs entwickelt. Von Analysten und Experten wird ein rosiger Start erwartet. Gleichzeitig warnen viele vor einem langfristigen Wertverlust. Und endlich gibt es jemanden, der nicht nur auf die Euphoriebremse tritt, es gibt auch jemanden, der den Kurs der Aktie höchstselbst in den Keller treiben will: Schleswig-Holsteins oberster Datenschützer Thilo Weichert ist der Mann, der Facebook-Anlegern schon jetzt den Spaß verdirbt. Er sagte der FAZ in einem Interview:
“Wer als Aktionär spekuliert, muss damit rechnen, dass, wenn sich der Datenschutz in Deutschland und Europa mit seinen Belangen durchsetzt, das Geschäftsmodell von Facebook in sich zusammenbricht.”
Wie lange also dauert die Party, zu der sich immer neue Mitspieler gesellen?
Spotify etwa erhielt gestern frisches Kapital und bleibt im Milliardärsklub, in den Pinterest frisch einsteigt. Und passenderweise, um uns an eine ältere Blase zu erinnern, gibt es ein neues Urteil: 17.000 Kleinanleger scheitern vorerst mit einer Klage gegen die Telekom. Sie fühlten sich nicht ausreichend über den wahren Wert des Unternehmens informiert, als das Unternehmen 1996 an die Börse ging. Tja, und heute? Weiß jemand, womit genau Facebook seine 1,04 Milliarden Dollar umsetzt?
Derweil pumpt Pinterests neuer Hauptinvestor Rakuten aus Japan 50 Millionen der neuen 100 Millionen Dollar in die soziale Pinnwand. Vage Hoffnung: Dass die Nutzer nicht nur gucken und pinnen, sondern auch etwas von dem kaufen, was sie dort sehen. Diese Hoffnung bewertet Pinterest neu auf 1,5 Milliarden US-Dollar.
Werben um die Schönheitskönigin
Spotify wird neu auf 4 Milliarden Dollar bewertet. Der Musikabodienst, der im März in Deutschland startete, setzt bewiesenermaßen Geld um, tritt aber einen Löwenanteil davon an die Musikindustrie ab und dürfte es schwer haben, jemals profitabel zu werden. Im vergangenen Jahr schrieben die Schweden einen Verlust von 59 Millionen bei einem Umsatz von 250 Millionen Dollar.
Manchmal erinnert mich dieses Wetteifern an eine US-Teeniekomödie. Alle Jungs buhlen um die Jahrgangsschönste und überbieten sich mit Geschenken und Aufmerksamkeiten. Es bestärkt das Mädchen in seinem Selbstbewusstsein und lässt sie weitere Zuwendungen fordern, die sie natürlich auch bekommt. Und am Ende? Stellt sich heraus, dass hinter der schönen Fassade nicht viel gewesen ist, was die ganzen Geschenke gerechtfertigt hätte. Aber die bekommt man natürlich nicht mehr zurück…
(Jürgen Vielmeier)
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HTC One X im Test: Wie groß ist zu groß?
Neulich schleppte man mich in die Disco. Der DJ spielte alles von Charts über Rock bis hin zu Trance. Man stand also ebenso oft neben der Tanzfläche wie darauf. Und mitten im dem Gewühl zwischen Tänzern, Mitwippern und Zaungästen fiel mir ein junger Mann auf, der seinen Riesenknochen von Smartphone nicht aus der Hand legen wollte. Er schoss eifrig Fotos von seinen umstehenden Freunden und zeigte sie ihnen danach auf dem überdimensionalen Display. Es war das Samsung Galaxy Note, das umstrittene Zwischending zwischen Smartphone und Tablet mit einem 5,3-Zoll-Display.
Ich beobachtete ihn eine Weile. Die Frauen, die er damit fotografierte, freuten sich kurz, umarmten ihn und tanzten dann weiter. Mit den männlichen Freunden unterhielt er sich länger, vermutlich über die technischen Eigenschaften des Note. Viele der Umstehenden sahen ihn irritiert an. Als ich beim Rausgehen noch einen letzten Blick auf ihn warf, stand er in einer Gruppe mit anderen Männern zusammen, sich unterhaltend, gestikulierend, das Note in der Hand. Frauen waren nicht in seiner Nähe. Meine Vermutung, nicht erst seitdem: Ab einer gewissen Größe wirken Smartphones nicht mehr cool, sondern albern, nerdig, zu überdimensioniert. In die gleiche Kategorie würde ich auch das HTC One X packen, das ich für einige Wochen im Test hatte – obwohl sich HTCs Monstrum ansonsten im Test ordentlich schlägt.
Die herausstehende Kameralinse lädt Kratzer und Verfärbungen geradezu ein.
Schöne Bilder, mattes Display
Eines der Highlights für das One X und gleichzeitig eine Schwachstelle ist die 8-Megapixel-Kamera. HTC hat hier auf eine besonders große Linse Wert gelegt, die etwa 2 Millimeter aus dem Gerät herausragt. Das sorgt dafür, dass die Ummantelung sich schon nach den wenigen Wochen meines Tests ein paar Kratzer und Verfärbungen einfing und man Wetten darauf abschließen kann, wie schnell die Plastikabdeckung der Linse wohl ebenfalls zerkratzt oder gar bricht. Die Bilder können sich dafür sehen lassen, denn die Linse ist auch unter widrigen Bedingungen lichtstark und liefert sehr solide Bilder. Anders übrigens als das Display, das im kleineren One S deutlich farbenfroher wirkte.
Erfreulich ist die Software, die HTC der Kamera spendiert hat: So lassen sich im Videomodus gleichzeitig Einzelfotos schießen; Motive können noch vor der Aufnahme mit Instagram-ähnlichen Filtern aufgehübscht werden. Im Videomodus (bis 1080p) kann die Kamera Objekte auch beim Filmen noch nachträglich scharf stellen – eine Option, bei der viele andere Kameras bisher versagen. Da ist es schade, dass HTC der Kamera keinen physischen Auslöser am Gehäuserand spendiert hat und man sie nur über den Touchscreen aufrufen kann.
Quadcore mit Tücken
Herzstück und ein Achtungserfolg des One X ist der Quadcore-Prozessor mit 1,5 GHz. Bislang gibt es kaum Anwendungen, die eine derartige Prozessorleistung benötigen würden, schaden kann es im Prinzip aber nicht, für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Was die Gegenwart angeht, war ich vom Multitasking des One X eher enttäuscht. Spiele wie “Angry Birds Space” oder “Need for Speed Hot Pursuit” meisterte das One X ruckelfrei und reaktionsschnell. Die Navigation über die Startbildschirme und Apps ging zu allen Zeiten flüssig. Mir unverständlich allerdings, warum bei dem One X die Musik aussetzt, sobald man mit der Kamera ein Foto schießt. Das geschah bei mir im Test sowohl mit der Spotify-App als auch mit TuneIn Radio und wirbt nicht gerade für den eingebauten Quadcore-Prozessor.
Das Outfit des Geräts ist Geschmackssache. HTC ist bestimmt nicht für die schönsten Smartphone-Designs berühmt geworden, und das ist in meinen Augen auch beim One X nicht der Fall. Das Gehäuse und das sehr große 4,8-Zoll-Display sind allerdings gut verarbeitet, wirken stabil und fließen ineinander. Positiv fielen mir die Sensor-Tasten im Display auf. Negativ dafür der nicht abgedeckte Micro-USB-Anschluss an der Gehäuseseite. Der hinterlässt beim One X ein klaffendes Loch, was Ästheten nicht wirklich begeistern kann. Pragmatiker würden es hingegen konsequent nennen: Der Akku ist mit 1.800 mAh nicht der stärkste seiner Zunft und muss nach einem durchschnittlichen Arbeitstag sehr schnell wieder ans Netz.
Schwarzes Loch: Micro-USB-Anschluss ohne Abdeckung
Smartphones sollen auch gut aussehen
Der Sound über den eingebauten Lautsprecher bricht Rekorde allenfalls bei der Maximallautstärke. Wo sich HTC aber meiner Ansicht nach immer noch zu sehr versteckt, ist bei seinem ausgezeichneten Beats Audio für klaren Klang mit integriertem Subwoofer über Kopfhörer. Der Klang ist auch beim One X wieder ausgezeichnet. Die Größe des Smartphones macht es schwer dafür, das Gerät bei der Bedienung in einer Hand zu halten. Kollege Hayo kann dem durchaus etwas Positives abgewinnen: HTC nutzt die volle Größe des Bildschirms und macht jedes Zeichen der virtuellen Tastatur deutlich größer, was gerade das schnelle Tippen einer Nachricht vereinfacht. Im Quermodus lässt sich auf dem Keyboard sogar problemlos mit dem Zehn-Finger-System tippen.
Ein großes Smartphone mag also teilweise funktional sein. Aber auch chic? Und muss ein Smartphone überhaupt gut aussehen? Ich finde inzwischen: ja. Bei der Fülle an Modellen, Größen und Farben da draußen, rate ich Freunden in letzter Zeit immer öfter dazu, dem eigenen Geschmack zu folgen: Such dir erst ein System aus, das dir zusagt, dann ein Gerät, dessen Optik dir gefällt – und dann melde dich nochmal, damit du dir keinen Schrott kaufst. Das HTC One X ist weder hübsch, noch wirklich hässlich, stark motorisiert, punktet mit einer sehr guten Kamera und der eigenen Sense-4-Oberfläche für das vorinstallierte Android 4.0 Ice Cream Sandwich. Empfehlen würde ich es trotzdem höchstens Freunden mit besonders großen Patschefingern. Ansonsten fällt mir derzeit niemand ein, der mit dem kleinen Bruder HTC One S nicht besser bedient wäre.
Zum Schluss dennoch die Frage an euch: Wie groß ist zu groß? Würdet ihr euch auch ein Galaxy Note oder ein One X in die Hosentasche stecken (so es denn passt), sind 4,3 Zoll das Maximum oder soll es lieber noch kleiner sein? Sagt es uns in den Kommentaren.
(Jürgen Vielmeier)
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Facebook: Wie die ganze Branche einem Börsengang entgegen zittert
Gibt es ein Zentrum des Social Web? Eine Seite, die jeder kennt, die hunderte Millionen Menschen täglich aufsuchen, eine Seite, die wie keine andere für den Austausch von Informationen und Alltäglichkeiten oder als simpler Treffpunkt steht? Mir fällt dabei nur Facebook ein. Am häufigsten genannt, beschrieben, geliebt, beschrieen, geliket, verfilmt, gehasst. Man muss Mark Zuckerberg und seine Ansichten zur Privatsphäre nicht mögen, man muss dort auch nicht aktiv sein. Aber ob man es mag oder nicht: Facebook ist der Mittelpunkt des Social Web.
An diesem sozialen Nabel der Welt hängt mittlerweile eine ganze Menge. Apps wie BranchOut, die Spielehersteller Zynga und Wooga oder der Musikstreaming-Dienst Spotify, um nur einige zu nennen, würden in ihrer aktuellen Form ohne Facebook nicht existieren. Zahlreiche Marken, Medien, Persönlichkeiten profitieren von Facebook und seinem Schatz von 900 Millionen katalogisierten Webnutzern. Sie alle würden ohne die Seite finanzielle Einbußen hinnehmen. Deswegen herrscht derzeit so etwas wie eine gespenstische Ruhe vor dem Sturm. Denn wenn das Social Network voraussichtlich am Freitag an die Börse geht, sind zehntausende Arbeitsplätze und etliche Geschäftsmodelle davon betroffen. Von dem Börsengang wird abhängen, wie es mit dem zweifelhaften Konstrukt aus Startups, Investoren und Millionenbeträgen weitergeht. Vieles deutet darauf hin, dass die goldenen Zeiten vorbei sind.
Investoren und Journalisten kochen Hypes
Man liest viel jeden Tag. Seit einigen Monaten aber fällt mir eine Art Ritual verstärkt auf: Techblogs stellen Startups vor, spekulieren, wie diese alles bisher Dagewesene verändern können, Investoren springen darauf an und investieren Millionen in windige Geschäftsmodelle. Techblogs schreiben auch darüber, die Nutzer strömen herbei und probieren aus. Die Tagespresse schreibt Insider-Berichte, die Social-Media-Marketer kommen und raten ihren Kunden, dort ein Profil anzulegen, die ersten Promis melden sich an und verhelfen dem jeweiligen Projekt zu einem enormen Anfangsruhm.
Und ebenso schnell wie der Hype kommt, geht er in letzter Zeit auch wieder vorbei. Die Besucher, die sich das nur einmal anschauen wollten, kommen nicht wieder, der harte Kern ist deutlich kleiner und die Startups stellen fest, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Geld ist aber längst investiert, der Druck, dem gerecht zu werden ist da, ein Geschäftsmodell aber nicht in Sicht. So erging es vielen Projekten in letzter Zeit. Als Beispiele seien hier Quora, Amen, Pinterest oder Color genannt. Und aktuell: Socialcam und Viddy.
Video-Apps ohne Geschäftsmodell, aber mit zweifelhaften Methoden
Viddy ist ein Videotool für das Smartphone, auf dem man sich wahlweise via Facebook anmelden kann. Videos lassen sich hier mit bunten Filtern versehen – eine Idee, mit der Instagram sich auch ohne Geschäftsmodell für 1 Milliarde US-Dollar von Facebook kaufen ließ. Viddy sammelte 30 Millionen Dollar ein, soll 26 Millionen Nutzer haben. Einnahmequelle? Fehlanzeige. Viddy war eine Zeitlang ganz oben in Apples iTunes Store zu finden und stürzte wenig später auf Platz 48 ab, fand Om Malik heraus. Er schreibt ebenso darüber, wie Facebook die Apps nach eigenem Willen unterstützt, indem es die Apps etwa prominent bewirbt.
Socialcam weist eine ähnlich prominente Finanzierungsrunde vor, hat auf Facebook angeblich schon 50 Millionen monatliche Nutzer. Allerdings fehlt auch hier ein Geschäftsmodell und kürzlich wurde bekannt, dass Socialcam wie Viddy zweifelhafte Methoden angewendet hat, um die App in besserem Licht dastehen zu lassen. Inzwischen geht es mit Socialcam wieder abwärts. Viele Nutzer haben genug gesehen.
Der Markt ist hoffnungslos überhitzt
Man muss sich fragen, wie ein Markt langfristig existieren kann, bei dem 1 Milliarde für ein Startup mit 12 Mitarbeitern und ohne Geschäftsmodell (Instagram) gezahlt wird. Bei dem Videplattformen, ebenfalls ohne Geschäftsmodell, Finanzierungsrunden in Millionenhöhe erhalten, in dem immer wieder in Märkte investiert wird, die maßlos überschätzt werden. In dem viele Startup-Gründer darauf vertrauen, entweder ein paar Krumen vor noch gar nicht so großen Werbekuchen aufzusammeln oder übernommen zu werden, damit sich ihre Sorgen auf einen Schlag in Luft auflösen.
Derzeit überschlagen sich die Meldungen, ob Facebooks Börsengang ein Erfolg wird. “Ja”, sagen die einen. “Um Himmels Willen!“, schreien die Anderen. Viel wird vom Erfolg dieses Börsengangs abhängen, wie lange dieses Spiel aus Millioneninvestitionen und kurzen Hype-Zyklen weitergehen wird. Auf lange Sicht wird damit aber so oder so Schluss sein. Eine derartige Überhitzung eines Marktes kann nicht für immer weiter gehen. Geht es um Facebooks Börsengang, könnte er ähnlich verlaufen wie der Aufstieg und Fall der oben genannten Projekte. Ein großer Hype zu Anfang, auf die weniger später die Ernüchterung folgt. Das wird hoffentlich für zwei Dinge sorgen: mehr Nachhaltigkeit – und endlich etwas Nüchternheit. Denn richtig spannend wird es erst dann: Was kommt nach dem großen Hype?
(Jürgen Vielmeier, Bild: Guillaume Paumier (CC BY 2.0))
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Ignoriert Hitler!
“Ich male völlig unpassend platzierte Führer im Spiel Draw Something. Das ist es, was ich tue”, schreibt ein Schotte namens Michael auf seinem Tumblr-Blog “Ignore Hitler“. Dort sammelt er die Comics von Hitler, die er völlig überflüssigerweise in cartoonhafte Zeichnungen im Facebook-Spiel “Draw Something” malt. So malt er Hitler mit einem Schraubenschlüssel in der Hand, wenn es darum geht, das Wort “Werkzeug” zu malen, oder Hitler hinter Gitterstäben, wenn der zu malende Begriff ein Gefängnis ist.
Draw Something ist das App gewordene Spiel Montagsmaler, in denen man willkürlichen oder befreundeten Gegenübern Begriffe erklären muss, indem man ihnen etwas vormalt. Wer richtig rät und gut malt, bekommt dafür Punkte. Zynga hat OMGPOP, den Entwickler des Spiels, kürzlich für eine Summe von 180 bis 210 Millionen Dollar übernommen. Der Hype um Draw Something ist seitdem ein wenig abgeflaut. Warum der Schotte Michael seine Zeichnungen ausgerechnet mit Hitler illustriert und jedes Mal dazu schreibt, man möge ihn bitte ignorieren, verrät er in der Rubrik “Häufig ignorierte Fragen” leider nicht: “Es gibt kein Warum.” Weiter unten schreibt er jedoch, dass er nicht viel von Hitler halte, und alles, was einen “genozidalen Scheißkerl zur Witzfigur macht”, eine gute Sache sei.
Ob das nun britischer Humor oder eine besonders moderne und indirekte Form von einem Kampf gegen Rechts ist, wage ich nicht zu beurteilen. Aber die Cartoons sind gut gemalt und auf ihre ganz eigene Art irrsinnig komisch. Schaut mal rein!
(Jürgen Vielmeier)
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Gartner: Samsung und Apple profitieren, weil der Konkurrenz die Flaggschiffe fehlen
Schöne Idee: Die Agentur Text 100 bot mir vor kurzem an, ein Gespräch mit einem Gartner-Analysten zu führen, sobald das Marktforschungshaus seine neuen Zahlen über den Mobilfunkmarkt veröffentlicht. Kann man ja mal machen. Da Gartner die neuen Zahlen heute veröffentlichte, sprach ich gerade am Telefon mit Analystin Roberta Cozza. Ihre Interpretation deckt sich mit den kürzlich veröffentlichten Zahlen von IDC und iSuppli: Samsung und Apple setzen sich bei den Smartphones ab, am Markt bilden sich zwei Pole.
Wenig überraschend deswegen die aktuellen Zahlen: Samsung ist laut Gartner Marktführer bei Mobiltelefonen insgesamt mit 86,6 Millionen verkauften Geräten im 1. Quartal. Nokia folgt mit 83,2 Millionen Telefonen vor Apple mit 33,1 Millionen und ZTE mit 17,4 Millionen Einheiten. Gewinner: Samsung, Apple, ZTE und Huawei. Verlierer: Alle anderen, zuvorderst Nokia, aber auch RIM, HTC, Motorola (leicht) und sehr stark auch LG. Besonders auffällig ist, dass der Markt insgesamt schrumpft. Gartner zählt 419,1 Millionen verkaufte Mobiltelefone und damit 2 Prozent weniger als im 1. Quartal 2011. Eine wirklich befriedigende Begründung finden die Marktforscher dafür nicht.
Billig oder High-End – die Mitte verliert
Zumal das 1. Quartal für gewöhnlich das stärkste in Asien sei, bedingt durch das Chinesische Neujahr, bei dem viele Menschen in Ostasien für sich oder ihre Verwandten neue Technik kaufen. Gartner führt das auf ein Fehlen echter Zugpferde bei fast allen Herstellern zurück. Man sei jetzt vorsichtig, was die Prognose für das Gesamtjahr angehe, erwarte aber stärkere Verkäufe.
Cozza sagt dazu: “Apple gewinnt aufgrund der erfolgreichen Integration seines Ökosystems, Samsung gewinnt dank eines starken Portfolios.” Vergleichbar starke Modelle sehe sie bei anderen Herstellern wie HTC nicht. Auffällig ist auch der Aufstieg von ZTE. Cozza: “ZTE ist im Niedrigpreissektor sehr stark und profitiert von einer erheblich besseren Qualität seiner Produkte bei Preisen, die bis zu 50 Prozent günstiger sind als die der Konkurrenz.”
ZTE und Huawei sind die Gewinner bei den Discount-Preisen, Apple und Samsung die Könige bei den High-End-Produkten. Alles dazwischen verliert und wird sich auch langfristig schwer tun. Der Grund für den insgesamt schwächeren Markt dürfte der Übergang von Handy (Dumb Phone) zum Smartphone sein. Handy-Kunden wollen umsteigen, reagieren aber zurückhaltend, weil sie für Smartphones meist deutlich mehr Geld investieren müssen. Mit dem Aufstieg der Billiganbieter wie eben ZTE und Huawei könnte sich das ändern. Smartphone-Verkäufe stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal immerhin um 45 Prozent von 99,8 auf 144,4 Millionen Geräte.
Androids Siegeszug, Microsoft fällt hinter Bada zurück
Bei den mobilen Betriebssystemen befindet sich Android mit 56,1 Prozent Marktanteil (Q1/11: 36,4 Prozent) weiterhin auf dem Siegeszug. Apples iOS verbessert seinen Marktanteil von 16,9 auf 22,9 Prozent; großer Verlierer ist Nokias Auslaufmodell Symbian, dessen Marktanteil von 27,7 Prozent auf 8,6 Prozent schrumpft. Ärgerlich für Nokia: Auch die geplante Lösung, auf Windows Phone zu setzen, ist den Zahlen nach bisher nicht von Erfolg gekrönt. Microsofts Marktanteil schrumpft trotz inzwischen aggressiver Marketingmaßnahmen von 2,6 auf 1,9 Prozent. Damit ist man sogar schlechter im Rennen als Samsungs Bada, das sich von 1,9 auf 2,7 Prozent verbessert.
Nokia habe einen Vorteil, auf eigene Software setzen zu können, analysiert Cozza. Aber es bleibe für die Finnen und für Microsoft weiterhin ein schwieriger Markt. Auch Samsung könne sich nicht für immer auf seinem Portfolio ausruhen. Cozza: “Samsung muss über das Hardware-Geschäft hinausgehen und einen stärkeren Fokus auf Software und Services legen.” Bei ihrem neuen Spitzenmodell Galaxy S III haben die Koreaner bereits gezeigt, wie das aussehen kann: Es finden sich zahlreiche neue Services und Assistenten darin, die andere Android-Anbieter nicht anbieten.
(Jürgen Vielmeier, Tabellen: Gartner, Statista)
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Blogger besucht seinen Plagiator bei einer Tageszeitung, erhält 500 Dollar
Amüsant und auch mutig: Duane Lester, auch bekannt als der “All American Blogger”, war erstaunt, als er einen Blogtext von sich in einer Tageszeitung wiederfand. Zumal die Zeitung nicht nur seinen Text, sondern auch seine Überschrift und Rechtschreibfehler nahezu eins zu eins übernommen hatte. Lester war sauer, holte sich einen Rechtsbeistand, schnappte sich eine Videokamera und fuhr zu der Zeitung, um den Redakteur damit zu konfrontieren.
Das Video, das Lester online gestellt hat, zeigt die kuriose Situation. Redakteur Bob Ripley und eine Frau in seinem Redaktionsbüro sind nicht gerade angetan davon, dass der mit einer Kamera bewaffnete Lester ins Büro latscht und 500 Dollar dafür fordert, dass man seinen Text ungefragt abgedruckt habe. Ripley versucht ihn herauszukomplimentieren, geht mit Lester auf Konfrontationskurs und erklärt ihm, wie lange er schon in dem Geschäft arbeite. Lester lässt nicht locker und bekommt schließlich seinen Scheck, den er lieber gleich einlöst.
Und die Moral von der Geschicht: Lasst euch nichts klauen und steht für euch selbst ein, findet Lester. “Es ist nicht schwer, wenn ihr im Recht seid.” Es kostet nur ein wenig Überwindung. Außerdem: Kameras können Waffen sein. Wäre Lester auch zu seinem Recht gekommen, wenn er die Szene nicht gefilmt hätte? Es wäre zumindest schwerer geworden.
(Jürgen Vielmeier, Bild: Duane Lester)
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Steve-Jobs-Kinofilm: Aaron Sorkin schreibt das Drehbuch
Drehbuchautor Aaron Sorkin (rechts)
Es gibt derzeit gleich zwei Filmprojekte über das Leben von Apple-Gründer Steve Jobs. In einer Independent-Verfilmung mit dem Arbeitstitel “Get Inspired” wird Ashton Kutcher als Jobs in den Kinos zu sehen sein, und das möglicherweise noch in diesem Jahr. Die teurere Produktion kommt von Sony. Dort hat man sich bereits vor geraumer Zeit die Filmrechte an Walter Isaacsons autorisierter Biographie gesichert. Jetzt wurde auch offiziell, was schon seit längerer Zeit spekuliert wurde: Aaron Sorkin wird das Drehbuch schreiben. Das kann man machen. Einen richtigen Jubel sehe ich deswegen allerdings nirgendwo aufbranden.
Sorkin hat das Drehbuch für “The Social Network” geschrieben, einen durchaus unterhaltsamen Film, der aber in meinen Augen auch seine Längen hat. Auch sonst halte ich Sorkin nicht gerade für den besten Drehbuchschreiber, den Hollywood je zu bieten hatte. Das Militärdrama “Eine Frage der Ehre” gefiel mir gut, “Der Krieg des Charlie Wilson” eher weniger. “Moneyball”, verfilmt mit Brad Pitt, dürfte bisher sein Meisterstück gewesen sein. Sein aktuellstes Projekt ist die Fernsehserie “The Newsroom“, in der sich eine Handvoll junger Journalisten ab Juni zehn Folgen lang zu wichtig nimmt. Mit Isaacsons unterhaltsamer Biographie kann Sorkin allerdings nicht mehr viel falsch machen. Und selbst wenn: Meine Güte, es gibt wichtigeres auf der Welt. Als Filmfreund wollte ich nur mal eben darauf hinweisen.
(Jürgen Vielmeier, Bild: GenerationObama (CC BY SA 2.0))
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Sky feiert 73.000 neue Kunden bei 73 Millionen Euro Verlust
Und da wären sie mal wieder: die aktuellen Quartalszahlen von Sky – Deutschlands erfolgreichstem Pay-TV-Sender. Erfolgreich? Ja, ich habe mich bewusst für diese Wortwahl entschieden, denn auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick nicht wirklich etwas Gutes verheißen, so sind sie doch ein Beweis dafür, dass es bei Sky Schritt für Schritt bergauf geht.
Die wichtigsten Fakten gleich vorweg: zwischen Januar und März standen 155.000 neuen Kunden 82.000 Kündigungen gegenüber. Macht unter dem Strich ein Wachstum um 73.000 auf nun knapp 3,1 Millionen Abonnenten. Kein schlechter Wert, auch wenn man im Weihnachtsquartal noch ein Plus von 155.000 Nettoneukunden verzeichnet hatte. Trotzdem arbeitet Sky weiterhin defizitär. Satte 73,0 Millionen Euro betrug der Verlust im ersten Quartal des laufenden Jahres. Wird sich daran in naher Zukunft etwas ändern?
Fakt ist: Sky-Chef Brian Sullivan tut alles, um den Konzern in die schwarzen Zahlen zu führen. Das Problem daran ist, dass dieser Kurs nur mit immer neuen Investitionen eingeschlagen werden kann. Und eigentlich hat Sky dieses Geld gar nicht, kann sich aber mit der News Corporation über einen Hauptaktionär freuen, der regelmäßig Millionenbeträge in den Sender investiert. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum eigentlich, aber ganz offensichtlich liegt es daran, dass man an den nachhaltigen Erfolg von Pay-TV in Deutschland glaubt. Solange die Kundenentwicklung also positiv ist, muss man sich in München praktisch keine Sorgen machen.
Neue, innovative und exklusive Inhalte vor dem Start
Und wenn wir mal auf die kommenden Wochen blicken, wird deutlich, dass Sky nicht aufhört, ordentlich in das eigene Programm zu investieren. Der Start des neuen Senders Sky Atlantic HD steht kurz bevor, im Juni geht mit TNT Serie HD der bereits 57. hochauflösende Sender an den Start, ab Herbst talkt Harald Schmidt exklusiv für den Pay-TV-Sender und auch Sky Go soll künftig deutlich aufgewertet werden. Ab dem 27. Mai ist es über iPhone und iPod Touch möglich, nicht nur Sky Atlantic HD, sondern auch aktuelle Filme zu sehen.
Das klingt für viele von euch vielleicht nicht einmal sonderlich spannend, aber lasst euch gesagt sein: Sky Go macht echt Laune. Ich habe mich vor knapp zwei Monaten dazu entschlossen, ebenfalls einen Vertrag bei Sky abzuschließen und bin seitdem immer wieder aufs Neue, ja, im Grunde begeistert, wie flexibel ich mein Abonnement nutzen kann. Zum Beispiel samstags im Anschluss an meine Arbeit bei Preußen Münster die Fußball Bundesliga im Presseraum auf meinem Notebook sehen zu können, ist für mich ein echter Mehrwert, den ich schon jetzt im Grunde nicht mehr missen möchte. Und auch das Video on Demand-Angebot von Sky Go hat mir schon die ein oder andere langweilige Stunde am Abend vertrieben.
Ja, Sky ist eine Art Luxus, aber der macht auch Spaß
Versteht mich nicht falsch, ich möchte an dieser Stelle kein Loblied auf Sky singen. Es ist aber Tatsache, dass der Sender seinen zahlenden Kunden inzwischen deutlich mehr bietet als es noch vor einigen Monaten der Fall gewesen ist. Zweifelsohne muss man es aber auch als eine Art Luxus bezeichnen, wenn man bei dem breit gefächerten Free-TV-Angebot in Deutschland bereit ist, bis zu 66,90 Euro pro Monat zusätzlich an Sky zu überweisen. Ich kann auch verstehen, wenn ihr sagt, dass ihr dazu nicht bereit seid. Und trotzdem muss ich feststellen, dass es durchaus Spaß machen kann, Sky-Kunde zu sein. Wie das in den kommenden Wochen aussieht, wenn ich praktisch keine Fußballspiele sehen kann, lasse ich mal dahingestellt. Immerhin kann ich dann aber noch auf Sky Sport News ausweichen – nach der Einigung zwischen Sky und Unitymedia in wenigen Tagen auch in HD. Auch darauf haben viele (potenzielle) Kunden in Hessen und Nordrhein-Westfalen lange gewartet.
Ach und abschließend noch eine kleine Randbemerkung: in vielen Presseberichten von heute wird zwar über die an sich positiven Zahlen von Sky gejubelt und ich bin durchaus bereit, diese positive Entwicklung ebenfalls anzuerkennen. Doch sollten wir bei all der Euphorie eines nicht vergessen: Ab Mitte 2013 wird Sky im Schnitt 485,7 Millionen Euro pro Jahr an die Deutsche Fußball Liga (DFL) zahlen müssen – bisher waren es etwa 250 Millionen Euro. Heißt im Umkehrschluss: Sky braucht in einem Jahr noch deutlich mehr Kunden als bisher kalkuliert, um Gewinn zu erwirtschaften. Oder die Abos werden alternativ teurer. Doch das kann sich Sky in Deutschland bei einer ohnehin preissensiblen Kundschaft eigentlich nicht leisten. Man darf gespannt sein, was in den kommenden Monaten passieren wird. Ich werde es auf jeden Fall mit geschärftem Blick verfolgen.
(Hayo Lücke)
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Apple flickt Siri: “Bestes Smartphone aller Zeiten” ist jetzt wieder das iPhone
Schade eigentlich: Apple hat eine eigene Verlegenheitslücke im digitalen Sprachassistenten Siri für das iPhone gestopft. The Next Web hatte herausgefunden, dass Siri bei der Frage nach dem besten Smartphone aller Zeiten eine Zeitlang auf die Konkurrenz verwies, genauer gesagt auf das Nokia Lumia 900.
Für die Antwort verließ sich Siri in der US-Version bislang auf die Suchmaschine Wolfram Alpha. Und die hatte ganz pflichtschuldig verschiedene Nutzerkommentare aggregiert.
Die besten Reviews bekam dabei das Lumia 900 in Zyan, und Siri schlug deswegen dies als besten Treffer vor. Da hat man Apple offenbar an der Ehre gepackt, weswegen der iPhone-Hersteller diese Lücke jetzt geflickt hat. Fragt man Siri nach dem besten Smartphone kommen nun halb-ironische Antworten wie: “Warte, es gibt noch andere Phones?” oder “Das, was du gerade in der Hand hältst.”
Laut AppleInsider war der Zusatz “aller Zeiten” (ever) der Grund, warum Siri überhaupt nach dem besten Phone suchte. Bei der Frage nach dem “besten Smartphone” kamen die dezenten Verweise auf das iPhone 4S schon immer.
(Jürgen Vielmeier, Screenshot: TheNextWeb)
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Windows 8: Update könnte nur 15 US-Dollar kosten. Lohnt sich das?
Seien wir ehrlich: Bei Windows 8 dreht sich alles um das Metro-Design. Windows 7 ist ein ordentliches, stabiles System. Ein Upgrade auf das neue Windows wäre technisch nicht notwendig; es wäre hauptsächlich etwas fürs Auge. Das könnte der Grund sein, warum Microsoft das Update für nur 15 US-Dollar verkauft, wenn man Windows-Blogger Paul Thurrott glauben mag.
Der Preis gelte für PC-Käufer, die nach dem 2. Juni zuschlagen. Microsoft und seine PC-Hersteller dürften damit versuchen, das Sommerloch zu stopfen und Kunden zu überzeugen, die vor einem Kauf von Windows 8 lieber abwarten. Das Update berechtige zu einer Lizenz für Windows 8 Pro, die Version für Power-User, selbst wenn man nur eine einfache Version von Windows 7 (Home oder Basic) besitzt. Gizmodo weist zurecht darauf hin, dass Microsoft für Spätkäufer derartige Upgrades früher kostenlos herausgegeben hat. Bei Windows Vista etwa war das der Fall, weil Microsoft das System seinerzeit erst nach dem Weihnachtsgeschäft fertig stellte. 15 Dollar allerdings nähern für Windows-Fans die Hoffnung, dass auch das Update für andere Nutzer nicht deutlich teurer wird.
Betriebssysteme zum Discountpreis
Bleibt noch die Frage, ob sich das Upgrade auf Windows 8 lohnt. Spätestens seit Apple mit Lion im Vergleich zu Snow Leopard auf meiner alten Maschine eine erstaunliche Systemverlangsamung vollzogen hat, bin ich skeptisch, dass mit einem Update immer alles besser wird. Von der Metro-Oberfläche in Windows 8 war ich im ersten Eindruck ja ganz angetan. Man sollte allerdings auch nicht verschweigen, dass das neue Design gewöhnungsbedürftig ist, zu Anfang nur wenige Programme die Vorteile der Kachelstruktur ausnutzen werden und einige Arbeitsschritte länger dauern als unter Windows 7.
Zum Vergleich sei noch gesagt, dass Apple das Upgrade von Snow Leopard (OS X 10.6) auf Lion (OS X 10.7) für 24 Euro anbietet. Und dann sei der Vollständigkeit halber auch noch auf Linux hingewiesen, eine Alternative, die angesichts niedriger Upgradepreise der “Großen” natürlich preislich kaum noch einen Vorteil hat. Aber wer mit Lion oder eben der Metro-Oberfläche unzufrieden ist, der findet etwa mit Ubuntu immerhin einen inzwischen gut gangbaren dritten Weg.
(Jürgen Vielmeier)
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Hausbesuch bei Doo: Wettrüsten im Kampf gegen den Papierkrieg
Kann es sein, dass eins der derzeit interessantesten Startups weltweit aus der kleinen Bundesstadt Bonn kommt, fernab aller Silicon Valleys, Alleys und Villages? Doo versucht genau das. Da die beschauliche Stadt am Rhein seit gut zehn Jahren meine Heimat ist, besuchte ich die junge Firma im Dezember in ihrem ersten Büro in Bad Godesberg und hielt danach den Kontakt. Eigentlich sollte es mit der Mac-Version des Dokumentenmanagers bereits im Februar losgehen. Nun ist Mitte Mai und die Software ist immer noch nicht veröffentlicht.
Wer Mitgründer Frank Thelen einmal kennengelernt hat, der kennt aber auch gleich die Gründe dafür. Bei Thelen ist nichts mit halbherzig. “Doo ist mein Toys’R'Us”, erklärt er. Täglich fielen ihm neue Funktionen ein, die er gerne gleich in die Software einbauen würde. “Ich bin erst zufrieden, wenn auch meine Mutter Doo bedienen kann und auf den ersten Blick davon begeistert ist.” Weil Thelen und Mitgründer Marc Sieberger außerdem eine Multiplattformstrategie mit nativen Desktop-Clients für Mac und Windows für unabdingbar halten, verzögert sich der geplante Start von Februar auf einen noch nicht näher bestimmten Termin im Sommer. Vergangene Woche luden Sieberger und Thelen mich dazu ein, vorab einen Blick auf die aktuelle Beta und das neue Hauptquartier zu werfen. Kurz gesagt: Es dürfte sich lohnen, noch eine Weile darauf zu warten.
Konkurrenz ist früher dran
Aktueller Stand der Software: eine sehr schöne Oberfläche mit noch einigen kleineren Fehlerchen. Deswegen ist die Beta noch nicht freigegeben. Ein paar Wochen wird es bis zum Start schon noch dauern. Wann genau Doo in der stabilen Version veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Man arbeitet derzeit vor allem an Versionen für den Mac, Windows 7, Windows 8, iOS und Android. Das kostet Zeit, und für Doo ist das nicht ganz ungefährlich. Denn in der sehr jungen Branche herrscht ein reger Konkurrenzkampf: Auf der NEXT in Berlin etwa präsentierte sich Smarchive, eine App, um Rechnungen einzuscannen, zu importieren und per OCR zu analysieren. Der Startschuss für die iPhone-App soll in Kürze erfolgen. Auch Reposito, Doctape, Fileee und Dropscan verfolgen eine eigene Strategie der Papierarchivierung oder gleich dessen Vermeidung. Auch Doo gehört dazu. Hier geht es nach dem Import der Dokumente aber im Grunde erst richtig los.
Doo kann verschiedene Dokumenttypen erkennen und sortieren. Inhalte werden analysiert und strukturiert, Schlagworte automatisch angelegt. So lassen sich importierte Dokumente nach Tags, Datum oder dem Dokumenttypen durchsuchen. Ferner will Doo Dokumente editierbar machen, so dass man Rechnungen etwa mit einem “Bezahlt”-Stempel, Unterschriften oder Randnotizen versehen kann. Eine Gruppen-Funktion mit Team-Archiv ist in Planung. Doctape aus Hannover bietet ähnliche Features, legt dabei den Fokus auf sein Web-Interface. Doo setzt derweil auf native Clients, die am ehesten an eine Mischung aus Mailprogramm und Datei-Manager erinnern.
Und doch verfolgen viele der Konkurrenten die gleichen Ziele. So soll die OTR-Software etwa jeweils nicht nur Absender und Rechnungssumme eines Dokuments erkennen können, sondern auch das Zahlungsziel überprüfen und darauf hinweisen, wann eine Rechnung überfällig ist. Es ist das erklärte Ziel von Thelen und den anderen Startups, das Papier auf absehbare Zeit überflüssig zu machen. In Form eines Experiments versucht der Kölner Mark Kreuzer gerade, drei Monate lang ohne Papier auszukommen. In ein bis zwei Jahren dürfte er es damit wesentlich leichter haben. Schon jetzt aber können Rechnungen von vielen Dienstleistern wie Internetprovidern einfach importiert werden. Auch an einer Integration der DE-Mail wird bereits gearbeitet.
Software erkennt, was eine Rechnung oder ein Gesetzestext ist
“Dokumente befinden sich heute meist in E-Mail-Anhängen oder kaum findbar in irgendwelchen Verzeichnissen”, berichtet Thelen aus eigenen leidvollen Erfahrungen. “Doo räumt mit dem Chaos auf.” Ein Herzstück der Software soll die Zeitleiste werden. Per Klick kann man dann einfach nachschauen, welches Dokument man etwa im März 2006 angelegt oder erhalten hat. Was mir im Test ebenfalls gut gefiel: Doo kann den Dokumententypen automatisch erkennen. Ist es etwa ein Kassenbon, ein AGB-Text oder eine Rechnung? Um das genau unterscheiden zu können, wird die Software derzeit “geschult”. Einige 400-Euro-Kräfte sind im Dachgeschoss des Doo-Hauptquartiers damit beschäftigt, abertausende Vorlagen einzuscannen, damit die Software die verschiedenen Dokumententypen unterscheiden kann. Das sei für den Anfang noch notwendig, erklärt mir Thelen. Später werde die Software durch die Dokumente jedes Einzelnen lernen. Durch anonymisierte Daten.
Doo bietet die Möglichkeit, Dateien in der Cloud zu speichern. Man setzt hier auf eine Lösung von Amazon mit einer Serverfarm in Irland, die auf europäische Datenschutzstandards setze. Die Cloud-Lösung gleicht Daten von verschiedenen Doo-Clients automatisch ab. “Wer will, kann die Daten aber auch rein Client-seitig bei sich speichern”, erklärt mir Sieberger. “Die Cloud ist ein Extra, kein Muss.”
“Werden die Nutzer einen Aha-Effekt erleben?”
Was die Software angeht, bittet mich Thelen, keine eigenen Screenshots zu veröffentlichen. Offizieller Grund ist, dass man ungern etwas zeige, das noch nicht fertig ist. Inoffiziell dürfte auch der durchaus harte Konkurrenzkampf eine Rolle spielen. Was die Firma angeht, scheint Transparenz oberstes Gebot zu sein. Thelen stellt mir jeden Mitarbeiter persönlich vor, erlaubt mir, jeden Winkel jedes Büros zu fotografieren, selbst Tafeln, auf denen kryptische Formeln stehen. Ein Mitarbeiter scherzt: “Fotografier ruhig, das wird ohnehin niemand außer uns verstehen.” – “Raketenwissenschaft” ergänzt Thelen und grinst. Mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigen die Bonner inzwischen, und bis Ende des Jahres sollen es 80 sein. Als ich einem Entwickler vorgestellt werde, begrüßt der mich mit Handschlag und wünscht mich willkommen an Bord. Er hat mich fälschlicherweise für einen neuen Kollegen gehalten. Jede Woche wird das Team um mindestens einen neuen Mitarbeiter vergrößert. Vor allem Entwickler sucht das Startup zur Zeit.
Das bereits gestartete Doctape und auch das teils über Crowdfunding finanzierte Smarchive werden früher dran sein als Doo. Thelen und Sieberger klingen unbeirrt, dass Doo trotzdem ein Erfolg wird. Dennoch fragen sie unverblümt nach meiner Meinung: Werden die Leute die Software benutzen wollen, halte ich sie für selbsterklärend und dürften die Nutzer einen “Aha-Effekt” erleben, wenn sie das Programm das erste Mal starten? Ich bejahe – wohl wissend, dass ich es nicht müsste. Woran die Jungs da arbeiten, gefällt mir. Wenn Doo im Sommer an den Start geht, werden die Nutzer ein nahezu perfektes Dokumentenmanagement präsentiert bekommen. Das ist keine Lobhudelei, das dürfte eine Tatsache sein. Thelen wird die Software nicht eher veröffentlichen, bis sie ihm rundum gefällt. Als ich ihm und Sieberger rate, mit dem Start nicht mehr all zu lange zu warten, und ihnen halb im Scherze Perfektionismus vorwerfe, lachen sie. Ein größeres Kompliment hätte ich ihnen kaum aussprechen können.
(Jürgen Vielmeier)
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Loewes Aktie steigt um 25 Prozent: Wer profitiert von Übernahmegerüchten durch Apple?
Im Prinzip ist es simpelst: Erfinde ein beliebiges Gerücht, schreibe darüber und schau, was die Börse so draus macht. Im Falle von Loewe hat es funktioniert: Die Aktie des kleinen deutschen TV-Herstellers schnellte heute beim Marktstart nach oben, nachdem am Wochenende Gerüchte aufkamen, Apple plane eine Übernahme. AppleInsider hatte am Samstag darüber berichtet und bereits einen Tag später das Dementi von Loewe hinterher geschoben. Ein Sprecher des fränkischen TV-Herstellers sagte noch am Wochenende, an dem Gerücht sei nichts dran.
Machte aber alles nichts: Die Anleger scheinen begeistert von der Idee. Die Aktie notierte am Freitag noch bei 4,51 Euro und stand zwischenzeitlich bei 5,74 Euro – ein Anstieg um mehr als 25 Prozent. Wie sinnvoll wäre eine Übernahme überhaupt? Gut, Loewe stellt Edel-Fernseher her, verwendet allerdings auch eine eigene Steuerung, die Apples Vision zuwider laufen würde. Loewe schreibt seit Jahren Verlust, im Geschäftsjahr 2011 sogar 11 Millionen Euro. Und in den vergangenen Jahren setzte Apple eher auf Auftragsfertiger in Asien, nicht gerade einen Anbieter mit eigenen Visionen und deutscher Fertigung.
Was die Gerüchte befeuert haben dürfte: Der japanische Elektronikhersteller Sharp ist mit fast 30 Prozent an Loewe beteiligt und soll vor kurzem für die Produktion der geplanten Apple-Fernseher mit Foxconn ein Jointventure eingegangen sein. Laut AppleInsider soll Apple 87,3 Millionen Euro geboten haben; die Deutschen würden sich bis Freitag entscheiden. Und wenn das alles bloß erfunden ist, um den Aktienkurs hochzutreiben? Dann macht dieser jemand gerade den großen Reibach. Und wir warten mal bis Freitag und schauen, ob an den Gerüchten wirklich etwas dran ist.
(Jürgen Vielmeier, Bild: Loewe)
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Tatort ohne Auflösung: Mördersuche im Internet und interaktives Fernsehen, zweiter Versuch
Sonntagsabends war bisher auf zwei Dinge Verlass: Auf dem Ersten kommt (fast immer) ein “Tatort” und am Schluss erfährt der Zuschauer, wer der Mörder ist. Muss so sein, damit der Durchschnittsdeutsche am Montag frisch und ausgeglichen in die neue Woche starten kann. Gestern Abend aber war alles anders: Der “Tatort” endet, aber den Mörder müssen die Nutzer selbst ermitteln, und zwar im Internet.
Der SWR hat das Ende des Ludwigshafener Tatorts offen gelassen. Im Web findet sich ein Spiel im Stile eines Adventures, auf dem der geneigte Zuschauer Beweise sichten, Zeugen befragen und am Ende raten muss, wer der Täter ist. Auf Twitter oder Facebook kann man sich mit anderen Nutzern austauschen und gemeinsam ermitteln. Die Geschichte der gestrigen Folge, die man sich auf YouTube noch einmal anschauen kann: Kommissarin Linda Odenthal wird von fünf Jugendlichen entführt, die einen Mord begangen haben. Nur: Welcher von ihnen war’s?
Spielsteuerung leider sehr träge
Das ist eigentlich eine schöne Idee des interaktiven Fernsehens. Technisch scheint es aber Probleme zu geben. Das Spiel hat zumindest zur Stunde sehr hohe Lade- und Reaktionszeiten. Im Chrome-Browser sind einige Funktionen des Spiels nicht zu benutzen, im Firefox braucht jede einzelne Tätigkeit wie Spurensuche, Abhören des Anrufbeantworters oder Öffnen von Schranktüren Sekunden. Immer wieder friert der Bildschirm ein. Der Server scheint hoffnungslos überlastet zu sein, das Spiel ist so kaum spielbar. Schade.
Nächster Versuch: die Rundshow
Aber immerhin: der Versuch ist aller Ehren wert, und mir gefällt die Botschaft: Das Internet ist angekommen in einer von Deutschlands wichtigsten Wohnzimmerkonstanten. So richtig kann sich dem niemand mehr entziehen. Andere werden den “Second Screen” bejubeln: Zuschauer gucken nicht mehr bloß Fernsehen, sondern gehen nebenbei ins Netz, idealerweise, um sich über das laufende Programm auszutauschen. Oder sogar, um es mitzubestimmen.
Hier startet heute Abend (leider erst um 23 Uhr) gleich ein weiteres Experiment netzaktiver Journalisten um Richard Gutjahr und Daniel Fiene: die Rundshow, ein neues Konzept für das interaktive Fernsehen. Der Zuschauer soll mitbestimmen können, was zu sehen ist und welche Themen aufgegriffen werden. Das alles sind nicht die ersten Experimente für interaktives Fernsehen, aber mutige neue Versuche. Ist der Zuschauer jetzt in Zeiten von Smartphones und Tablets endlich bereit dafür?
(Jürgen Vielmeier, Bilder: SWR)
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Yahoo: CEO Scott Thompson geht, teilte dem Aufsichtsrat mit, dass er Krebs habe
Scott Thompson ist vom Posten des CEO von Yahoo zurückgetreten. Er werde das Unternehmen verlassen, teilte Yahoo in einer offiziellen Stellungnahme mit. Sein vorübergehender Nachfolger wird Ross Levinsohn, der sechste Yahoo-Chef in fünf Jahren. Levinsohn schwor das Unternehmen in einem Antritts-Memo auf die Fortführung des Wandels ein, den man bereits vor einigen Monaten begonnen habe.
Neben Thompson gehen aus dem Yahoo-Vorstand auch Patti Hart, VJ Joshi, Arthur Kern und Gary Wilson. Auch Chairman Roy Bostock tritt von seinem Amt zurück, soll dem Board aber erhalten bleiben. Sein Nachfolger wird Fred Amoroso. Großaktionär Dan Loeb hat den Machtkampf damit gewonnen. Er wird Mitglied des Vorstands, zusammen mit zwei weiteren Repräsentanten des Großaktionärs Third Point, Harry Wilson und Michael Wolf. Yahoo zog damit die Konsequenzen um falsche Angaben in Thompsons Lebenslauf, die Loeb aufgedeckt hatte.
Thompson hat angeblich Krebs
Thompson hatte darin angegeben, einen Abschluss in Informatik zu haben, obwohl es in Wahrheit nur ein Titel in Buchhaltung war. Mehr als ein kleiner Schummler: Thompson hatte diesen Titel zehn Jahre lang in seinem Lebenslauf geführt und in einem Interview im Jahre 2009 nicht widersprochen, als ein Reporter ihn darauf ansprach. Weil sie den Lebenslauf vor Thompsons Amtsantritt durchgewunken hatte, hatte Vorstand Patti Hart bereits vergangene Woche auf eine erneute Kandidatur verzichtet.
Merkwürdiges Timing: Laut dem “Wall Street Journal” soll Thompson dem Board vergangenen Woche außerdem mitgeteilt haben, dass er Schilddrüsenkrebs habe. Das solle zu seinem Rücktrittsgesuch beigetragen haben. Loeb hat als Mitglied des Vorstands derweil gute Aussichten, auf absehbare Zeit auch CEO zu werden. Er hatte eine Kampagne gegen den bisherigen Vorstand angeschoben und darin das Missmanagement der vergangenen Jahre angeprangert. Die Probleme allerdings bleiben: Das Internet-Urgestein hat bisher wenig Erfolgreiches in Sachen Social Web und Mobile unternommen. Fähige Mitarbeiter haben derweil das Unternehmen in Scharen verlassen. Web-Experte Om Malik erwartet, dass Levinsohn den Wandel mit einer Reihe von Aufkäufen herbei führen könnte. Je nachdem, wie lange er CEO bleibt, und ob es nicht erneut zu einem Machtkampf mit Loeb kommt, der nun in einer weit besseren Position sitzt.
(Jürgen Vielmeier, Bild: Yodel Anecdotal (CC BY 2.0))
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In Shanghai bei HP: Ultrabooks, Meg Whitman und Wolkenkratzer
Überlastetes WiFi, Turbulenzen an Bord und mein Laptop in der Rückenlehne des Vordermanns verkeilt und daraufhin halb zerbrochen – ich hatte schon Situationen, in denen ich mehr Ruhe zum Arbeiten hatte. Doch wo die Möglichkeit zum Drauflostippen fehlt, setzt automatisch das Zurückblicken ein: Hinter mir liegt ein Trip zum Global Influencer Summit von HP, einem zweitägigen Groß-Event aka organisatorisches Mammutprojekt, das der Drucker- und PC-Hersteller am Mittwoch und Donnerstag auf dem Expo-Gelände in Shanghai veranstaltete. Mit dabei waren mehr als 500, vielleicht sogar knapp 700 Leute aus aller Welt, je nachdem, ob man sich an offiziellen Angaben oder dem Flurfunk orientiert.
An neuen Produkten versprach HP rund 80 Stück. Enterprise-Gerätschaften und Drucker ausgeklammert, blieb neben Business- und Multimedia-Laptops eine neue Generation von Ultrabooks übrig. Was fehlte, war ein neuer Tablet-PC.
Genau den hatten viele der weit gereisten Blogger/Journalisten (die längste Gesamt-Anreisezeit, die ich hörte, waren übrigens 39 Stunden, wie mir ein Kollege aus Brasilien erzählte) erwartet. Einzig das aktuelle Slate 2 gab es aus der Tablet-Klasse zu sehen, eingebaut in ein von Westcoast Customs getuntes und mit HP-Logos gepflastertes Auto. Zu den weiterem Tablet-Plänen sagte Todd Bradley, Executive Vice President der Bereiche Printing und Personal Systems, nur, dass ein Windows-8-Tablet in Arbeit sei, mehr kann ich euch daher leider nicht erzählen.
Umzingeltes HP Spectre XT
Dafür aber etwas mehr zu den neuen Ultrabooks, auch wenn HP noch nicht alle Datenblätter herausrückte. Flaggschiff der Flotte, wie auch CEO und Special Guest des zweiten Tages, Meg Whitman, betonte, ist das HP Spectre XT, das ab Juli zu Preisen ab 999 Euro anrollt. Als Fotomotiv war es wenig überraschend so beliebt, dass wohl niemand gerne mit der Dame hätte tauschen wollen, die es eingepfercht zwischen Kameras hochhalten musste.
Mit einem Gewicht von knapp 1,4 Kilogramm und einer Bauhöhe von lediglich 14,5 Millimetern tritt das Spectre XT als 13,3-Zöller mit Intel Smart Connect in die Fußstapfen von HPs erster Ultrabook-Generation, besteht aber nicht mehr aus Glas, sondern aus Metall. Eingebaut sind vier Lautsprecher, die zusammen mit Beats Audio die Erwartungen an den Sound nach oben schrauben, sowie bis zu 256 Gigabyte (GB) Speicherplatz in Form einer SSD. Außerdem bereits bekannt: 8 Stunden Akkulaufzeit und eine Tastaturbeleuchtung. Das HD-Display ist übrigens glänzend. HD heißt derweil auch HD, Full HD verbaut HP laut Kevin Frost, Vice President und General Manager der Notebook-Sparte, nicht, weil die Kunden derzeit nicht bereit seien, für eine höhere Auflösung auch einen höheren Preis zu bezahlen.
HP wird zum Spectre allerdings auch eine Pro-Version ab 1.199 Euro anbieten, die statt Windows 7 Home Premium die Professional-Edition und zudem TPM spendiert. Die Bestückung: Ein Intel Core i-Prozessor aus der dritten Generation (Ivy Bridge), bis zu 4 GB RAM und eine SSD mit 128 GB.
Mit 14- und 15,6-Zoll-Displays werden die Ultrabooks der Envy-Serie ausgerüstet, die acht bis neun Stunden Laufzeit, einen Intel Core i3 oder i5 und bis zu 8 GB Arbeitsspeicher beisteuern. Mit einem Gewicht von 1,8 Kilogramm aufwärts sind sie zwar schwerer, durch den Einbau einer HDD aber auch günstiger als die Spectre-Modelle: Ab 699 Euro geht es laut HP los. Platz für eine Grafikkarte, eine AMD Radeon HD 7670M, ist aufgrund des weniger flachen Gehäuses auch vorhanden. Mit AMD APU statt Intel CPU nennen sich die Laptops Sleekbook und nicht Ultrabook, ihr wisst schon, eingetragene Marke.
Entspiegeltes Business-Ultrabook mit LTE
Erst für Oktober und bislang noch ohne Preispunkt angekündigt wurde das EliteBook Folio 9470m. Das 14-Zoll-Gerät kommt als 1,58 Kilogramm leichtes und 19 Millimeter dünnes Business-Ultrabook mit entspiegeltem Bildschirm und optional mit 4G-Modul. Dass 4G auch für den europäischen Markt LTE-Unterstützung bedeutet, habe ich bei Herrn Frost extra nochmal nachgefragt. Weiteres kleines Detail mit Apple im Hinterkopf am Rande: Die Ports wie LAN, USB 3.0 und VGA integriert HP in regulärer Größe und nicht im Mini-Format, was durch Auskippen von diversen Adaptern aus einer Apple-Store-Tüte verdeutlicht wurde.
Insgesamt fällt die Ultrabook-Vorstellung eher unter Modellpflege, ein hervorstechendes Highlight, um sich von den Mitbewerbern abzugrenzen, bleibt aus. Doch das war auch nicht HPs Absicht. Wie der Konzern bekräftigte, wird den Kunden geboten, was sie verlangen, und das sind derzeit – zumindest in der Masse – keine pixelstarken IPS-Bildschirme oder besonders teure Exoten. Und da HP mit den Ultrabooks in den Mainstream-Markt will, wird auf derartige Features zugunsten günstigerer Preise verzichtet.
Dass das Unternehmen den Produktlaunch in Shanghai durchführte, untermauert die wachsende Rolle des chinesischen Marktes, der die USA laut HP bereits 2010 als weltweit größten PC-Konsumenten ablöste. Wachstum ist in Shanghai generell das Stichwort: Schaut man sich bei Gizmodo die Skyline des Jahres 1990 und die heutige an, ist die Stadt kaum wiederzuerkennen und etwas außerhalb finden sich immer wieder Baukräne. Nur wenige Fahrminuten vom Oriental Pearl Tower, den Shopping-Malls und Luxusgeschäften entfernt hat man das Gefühl, in einer ganz anderen Stadt zu sein.
(Saskia Brintrup)
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